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Vokale beeinflussen die Atmosphäre im Text – Die Kunst des Schreibens 4

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Broder Christiansen erläutert im 4. Brief seiner Prosa-Schule «Die Kunst des Schreibens» aus dem Jahr 1918, wie der Klang von Wörtern sich auf die Stimmung im Text auswirkt.

So wie Farben in einem Gemälde ihre eigene Sprache sprechen – ein kühles Blau, ein beruhigendes Grün, ein flammendes Rot – kann der Klang von Wörtern eine bestimmte Stimmung transportieren. Entscheidend sind nach Christiansen die Vokale.

U und O vermitteln eine Stimmung von tiefen Tönen, von Dumpfem, von schwer Lastendem oder Bedrohlichem: vom hohen Dom der Glockenton; das Grollen des Donners. U- und O-Klänge zeugen auch von Zorn, Groll und Unmut, berichten über dunkle Wesen und plumpe Unholde.

Das I spricht von Flinkem und Kleinem (das Getrippel der Kinder, das Quieken der Maus), von Spitzem (Wipfel, Gipfel) und vom Licht (schimmern, glitzern, blinken).

Dem E spricht Christiansen eher einen neutralen Klang zu, ausser es umschliesst «harte» Konsonanten, dann wirkt es grell und laut: schmettern, bellen, Wecker.

Das A zeigt für Christiansen Aufrichtigkeit und Stärke (tapfer, standhaft) und kündigt von Bevorstehendem. Die Bibel beginnt mit einer Häufung von A («Am Anfang war das Wort ...») und der Leser ahnt, dass etwas Entscheidendes geschehen wird. Das A wirkt zudem feierlich. Auch bei der Beschreibung des Abendmahls im Bibeltext ist das A in der Überzahl: «Nahm er das Brot, dankte, brach‘s und gab‘s ihnen und sprach.» Steht das A zusammen mit Doppelkonsonanten, vermittelt es zudem einen harten Schall: knallen, schallen, prasseln.

Bewusste Lautmalerei vermeiden

Christiansen warnt vor bewusster Lautmalerei im Prosa-Text: «Bewusste Lautmalerei ist geziert und spielerisch.» Wichtig ist für ihn vielmehr, dass man sich mit dem Klang von Wörtern vertraut macht und sich ihrer unterschwelligen Wirkung bewusst wird. Gelingt dies, wird der Schreibende automatisch die richtigen Worte wählen: «Wohl aber soll der Schriftsteller sich so vertraut machen mit der Klangstimmung einzelner Lauter, dass sie ihm unbewusst und ohne Zutun einfliesse in die Schrift.»

  • Fazit: Texte vermitteln eine bestimmte Stimmung durch den Klang der verwendeten Worte. Machen Sie sich diese Wirkung bewusst, nutzen Sie dieses Wissen aber nicht für gekünstelte Lautmalerei.

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