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vogtext sw 3Aus dem Alltag eines Lektors

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Vielen Dank und viel Spass bei der Lektüre!

 

Warum Sie «öfter» statt «öfters» schreiben sollten

Eine Google-Suche nach den Wörtern öfter und öfters zeigt, dass die beiden Begriffe regelmässig Verwirrung stiften: Ist «öfters» eine korrekte deutsche Form? Was ist der Unterschied zwischen öfter und öfters? In diesem Blogbeitrag erhalten Sie Antworten und erfahren, weshalb Sie mit der Variante «öfter» besser bedient sind als mit «öfters».

Betrachtet man die Verbreitung der Wörter öfter und öfters im deutschsprachigen Raum, sieht man ein Nord-Süd-Gefälle. In Norddeutschland ist öfter eindeutig beliebter als öfters. Im Südtirol ist die Variante öfters hingegen verbreiteter. Ähnliches kann man beobachten, wenn man sich von Westen nach Osten bewegt: Schweizer und Luxemburger nutzen öfters häufiger als Ostösterreicher. Insgesamt wird die Variante öfter aber bevorzugt. Nur in Luxemburg, Liechtenstein und im Südtirol ist öfters laut der Variantengrammatik des Standarddeutschen mehrheitlich (> 50 %) zu beobachten.

 oefter oefters

Häufigkeit von öfter in Prozent (Quelle: Variantengrammatik)

Ist öfters standardsprachlich korrekt?

Die Wörter öfter und öfters sind also im gesamten deutschsprachigen Raum zu beobachten. Bedeutet dies gleichzeitig, dass öfters eine standardsprachlich korrekte Variante ist? Laut diversen Wörterbüchern ist die Antwort darauf: nein. Der Duden (neusten Duden kaufen*) zählt öfters zu den Helvetismen bzw. Austriazismen, das heisst zu den Wörtern, die in der Schweiz bzw. Österreich standardsprachlich korrekt sind, in Deutschland aber nicht. Für das Wörterbuch von Brockhaus/Wahrig ist öfters hingegen ein Wort, dass grundsätzlich zur Umgangssprache gezählt werden muss.

Diese Ausgangslage spricht also dafür, nur die Variante öfter in der geschriebenen Standardsprache zu verwenden.

Nur öfter (nicht öfters) ist eine Steigerungsform zu oft

Beim Wort oft handelt es sich um ein Adverb. Diese Wortart zeichnet sich im Normalfall dadurch aus, dass sie im Unterschied zu Adjektiven unveränderlich ist und nicht zur näheren Bestimmung eines Substantivs genutzt werden kann. So kann man von «interessanten (Adjektiv) Kinobesuchen», nicht aber von «often (Adverb) Kinobesuchen» sprechen. Stattdessen ersetzt man «oft» mit dem Adjektiv «häufig»: häufige Kinobesuche.

Interessanterweise können einige Adverbien aber gesteigert werden. So wie das Adjektiv «schön» einen Komparativ hat (schön – schöner), ist dies auch beim Adverb «oft» möglich: aus oft wird öfter. In einem Vergleich können Sie somit problemlos sagen: «Ich gehe öfter ins Kino als du.» Sieht man das Adverb öfter also als Steigerungsform zu oft, kann dies ein Argument dafür sein, dass nur öfter (nicht aber öfters) der Standardsprache zugerechnet werden darf.

Adverbien mit -s: öfters

Bei Adverbien ist es allerdings nicht unüblich, dass sie mit einem -s enden. Bei einigen davon ist dies auf den Genitiv des mit ihnen verwandten Substantivs zurückzuführen. So wird aus dem Genitiv «des Abends» das Adverb «abends».

Diese s-Endung muss aber nicht zwingend auf einen Genitiv zurückzuführen sein. Beispielsweise gibt es die Adverbien «auswärts» oder «rückwärts», die ebenfalls auf -s enden. Und so ist auch sinnvoll erklärbar, weshalb es neben dem Adverb öfter eine Variante öfters gibt. Adverb-Varianten auf -s sind laut Duden aber vor allem in Österreich und der Schweiz üblich. Dies ist ein weiteres Indiz dafür, dass öfters nicht in der Standardsprache verwendet werden sollte.

Bedeutungsunterschied von öfter und öfters

Uneinig sind sich die Wörterbücher, ob es einen inhaltlichen Unterschied gibt zwischen öfter und öfters. Laut der Variantengrammatik werden öfter und die mit -s abgeleitete Variante öfters ohne Bedeutungsunterschied nebeneinander gebraucht.

Der Duden ist hingegen der Meinung, dass bei einem Vergleich öfter verwendet werden sollte, weil der Komparativ zum Wort oft besser erkennbar ist als bei der Variante öfters. In diesen Fällen hat öfter die Bedeutung von «häufiger»: 

  • Ich besuche meine Eltern öfter (=häufiger) als noch vor einigen Jahren.
  • Autounfälle gibt es auf dieser Strasse öfter als Motorradunfälle.
  • Seit der Gesetzesänderung haben unsere Kunden öfter Fragen zum Vertragsrecht als vorher.

In eine ähnliche Kerbe schlägt das Wörterbuch von Brockhaus/Wahrig. Darin wird die Bedeutung von öfters auf «manchmal, ab und zu» beschränkt, also auf Fälle, bei welchen es sich nicht um einen Vergleich handelt. Ich würde hier auch noch die Bedeutung «ziemlich häufig» ergänzen:

  • Ich besuche meine Eltern öfters (=manchmal, ab und zu, ziemlich häufig).
  • Autounfälle gibt es auf dieser Strasse öfters.
  • Seit der Gesetzesänderung haben unsere Kunden öfters Fragen zum Vertragsrecht.

Fazit: Deshalb ist öfter dem Wort öfters vorzuziehen

Zusammenfassend sprechen also folgende Punkte dafür, standardsprachlich öfter anstelle von öfters zu verwenden. Ich empfehle deshalb im Lektorat die Variante öfter:

  • In der Praxis wird öfter statistisch bevorzugt, ausser in den kleinen Regionen Luxemburg,  Liechtenstein und Südtirol.
  • Alle Wörterbücher akzeptieren öfter als standardsprachlich korrekt, zählen «öfters» hingegen zur Umgangssprache oder sehen «öfters» als regionale/nationale Variante.
  • Nur das Wort öfter ist eine korrekte Steigerungsform zu «oft».
  • Adverbien auf -s wie öfters sind häufig nur in der Schweiz oder Österreich üblich.
  • Einige Wörterbücher schränken die inhaltliche Bedeutung von öfters im Vergleich zu öfter ein.

Stilistisch bessere Alternativen zu öfter

Wie erwähnt gibt es diverse Adverbien, die gesteigert werden können – wie es bei oft, öfter, am öftesten der Fall ist. Ich erachte es aber als sinnvoller, eine Wortart zu nutzen, die dafür gedacht ist: die Adjektive. In Vergleichen bevorzuge ich statt das Adverbs öfter deshalb das Adjektiv häufig: Dies gilt auch für den Superlativ. Laut Duden ist «am öftesten» zwar möglich und korrekt, aber stilistisch ist «am häufigsten» zweifellos besser.

Grossschreibung: des Öfteren

Eine weitere Frage, die mir öfter gestellt wird, ist die Frage nach der Gross- oder Kleinschreibung von «des Öfteren». Seit der Rechtschreibreform 1996 gilt die Grossschreibung. Früher hat man also des öfteren geschrieben, heute des Öfteren. Wer sich jetzt fragt, ob es denn ein Nomen das Öftere gibt – nein, gibt es nicht. In der Wendung des Öfteren wird Öfteren grammatikalisch aber als Substantivierung aufgefasst und deshalb grossgeschrieben.

Weitere Zweifelsfälle?

Kämpfen Sie öfter(s) mit kniffligen Fragen zur deutschen Rechtschreibung? Dann empfehle ich Ihnen das Wörterbuch der sprachlichen Zweifelsfälle (hier kaufen*). In diesem guten Nachschlagewerk aus dem Dudenverlag finden Sie Antworten zu vielen interessanten sprachlichen Fragen.

Komma vor sowie: Wann vor sowie ein Komma steht

Ob und wann vor «sowie» ein Komma steht, ist eine Frage, die mir immer wieder gestellt wird. Nach meiner Erfahrung aus dem Lektorat wird vor «sowie» häufiger ein Komma gesetzt als nötig – statistisch belegen kann ich das aber nicht. Damit Sie in Zukunft vor «sowie» nur noch dort ein Komma setzen, wo es obligatorisch ist, habe ich im folgenden Beitrag die wichtigsten Informationen zum Thema «Komma vor sowie» zusammengetragen.

Um die Frage zur Kommasetzung bei sowie zu klären, muss unterschieden werden zwischen den zwei Bedeutungen bzw. Funktionen von sowie. Es gibt die Konjunktion sowie und die Subjunktion sowie. Als Konjunktion verknüpft sowie gleichwertige Satzglieder: zum Beispiel einen Nebensatz mit einem Nebensatz oder ein Element einer Aufzählung mit einem weiteren Element der Aufzählung. Zweitens kann sowie einen Temporalsatz einleiten, verbindet also einen übergeordneten Satzteil (Hauptsatz) mit einem untergeordneten Satzteil (Nebensatz).

Bevor Sie jetzt entnervt vor dem Unterschied zwischen Konjunktion und Subjunktion kapitulieren: Es gibt eine einfache Faustregel, um diese zwei Fälle zu unterscheiden. Im ersten Fall (Konjunktion) können Sie sowie ersetzen mit «und», im zweiten Fall können Sie sowie ersetzen mit «sobald». Anhand dieser zwei Bedeutungen finden Sie in den folgenden Abschnitten die Erklärungen, wann vor «sowie» ein Komma gesetzt wird.

«sowie» verbindet gleichwertige Satzteile ohne Komma (Konjunktion)

Wenn mit dem Wort sowie (= und; Konjunktion) gleichberechtigte Satzteile oder gleichwertige Elemente einer Aufzählung verbunden werden, steht vor sowie kein Komma, zum Beispiel:

  • Am letzten Wochenende konnte ich mich endlich durchringen, meine Wohnung zu putzen sowie den Dachboden aufzuräumen. (Hier werden zwei Nebensätze miteinander verknüpft.)
  • In unserem Onlineshop finden Sie Lampen, Teppiche sowie Möbel. (Hier werden Elemente einer Aufzählung verbunden.)

Komma vor «sowie» bei vorausgehendem Einschub

Knifflig wird es, wenn vor sowie ein Einschub erfolgt, der durch Kommas abgetrennt werden muss. In diesen Fällen steht vor sowie das (schliessende) Komma des Einschubs. Sowie verknüpft zwar weiterhin die zwei übergeordneten Satzteile, wird aber gestört durch den Einschub, wodurch dieser Fall wohl am meisten Schwierigkeiten bereitet. Übertragen auf meine Beispiele oben bedeutet dies:

  • Nebensatz, Einschub, Nebensatz: Am letzten Wochenende konnte ich mich endlich durchringen, meine Wohnung zu putzen, die unglaublich schmutzig war, sowie den Dachboden aufzuräumen.
  • Element Aufzählung, Einschub, Element Aufzählung: In unserem Onlineshop finden Sie Lampen, Teppiche, die unsere Mitarbeiter selbst knüpfen, sowie Möbel.

«sowie» leitet Temporalsatz mit Komma ein (Subjunktion)

Wenn sowie als Subjunktion zur Einleitung eines Temporalsatzes dient, steht immer ein Komma. Falls Sie sowie also mit «sobald» ersetzen können, steht davor ein Komma:

  • Ich zahle meine Schulden zurück, sowie (=sobald) ich wieder genügend Geld auf dem Bankkonto habe.
  • Meine Bewerbung sende ich Ihnen, sowie ich sie geschrieben habe.
  • Wir liefern die bestellten Schuhe, sowie wir Ihre Zahlung erhalten haben.

Der Nebensatz kann natürlich auch am Satzanfang stehen: Sowie (=sobald) mich das Reh bemerkte, rannte es in den Wald.

In der Bedeutung von «sobald» wird sowie manchmal auch verknüpft mit «aber», «doch» oder «also». Wenn Sie auf eine solche Kombination stossen, steht das Komma vor «aber», «doch» oder «also» und nicht vor sowie. Der Grund ist, dass «aber sowie», «doch sowie» oder «also sowie» als zusammengehöriges Wortpaar interpretiert wird und deshalb dazwischen kein Komma gesetzt wird:

  • Ich werde Ihnen bald antworten, also sowie ich aus dem Urlaub zurück bin (falsch: ..., also, sowie ...).
  • Er sass traurig an der Bar, doch sowie er sie tanzen sah, war ein Lächeln auf seinen Lippen erkennbar (falsch: ..., doch, sowie ...).
  • Der Pantomime stand regungslos im Park, aber sowie es zu regnen begann, rannte er flink unter einen Baum (falsch: ..., aber, sowie ...).

Getrenntschreibung mit Komma: so ... wie

Nicht zu verwechseln ist sowie mit der Wendung «so ... wie», die einen Vergleich ausdrückt. Zwischen so und wie wird dann ein Komma gesetzt:

  • Er verhält sich so, wie sich schon sein Vater in der Pubertät verhalten hatte.
  • Sie sang so, wie ich es noch nie gehört hatte. 

Davon zu unterscheiden ist eine Variante ohne Komma, wenn nach dem «wie ...» nur noch ein verkürzter erläuternder Zusatz steht. Klassisches Beispiel ist der Ausdruck so wie immer

  • Am Sonntag besuchen wir den Gottesdienst – so wie immer (nicht: so, wie immer).

Sobald der verkürzte Zusatz aber ausformuliert wird, steht ein Komma:

  • Am Sonntag besuchen wir den Gottesdienst – wir machen es also so, wie es jeden Sonntag bei uns üblich ist.

Sätze ohne «sowie» sind stilistisch schöner

Das Wort sowie ist zwar kein besonders langes oder besonders kompliziertes Wort, meist gibt es aber stilistisch bessere Alternativen als eine Formulierung mit sowie. Bei einer Aufzählung reicht in der Regel ein einfaches «und»:

  • Beispielsatz: Auf dem Dorfmarkt kann man Karotten und Kartoffeln sowie Äpfel und Birnen kaufen.
  • Alternative 1: Auf dem Dorfmarkt kann man Karotten, Kartoffeln, Äpfel und Birnen kaufen.

Manch einer mag nun einwenden, dass mit dem Wort sowie im Beispielsatz zwei Kategorien von Pflanzen verbunden werden (Gemüse vs. Früchte), das und hingegen die Aufzählung innerhalb der Kategorien markiert (Karotten und Kartoffeln; Äpfel und Birnen); deshalb trage sowie zur inhaltlichen Strukturierung bei. Einverstanden, so kann man den Einsatz von sowie begründen. Allerdings wirkt der Beispielsatz umständlich mit zwei und und einem sowie. Denkbar ist somit, direkt die zwei übergeordneten Kategorien zu nennen:

  • Alternative 2: Auf dem Dorfmarkt kann man Früchte und Gemüse kaufen.

Bei dieser Alternative kann man den inhaltlichen Gehalt bemängeln. Vielleicht ist es wichtig, dass Karotten, Kartoffeln, Äpfel und Birnen wörtlich erwähnt werden, weil es auf dem Dorfmarkt nur diese Produkte zu kaufen gibt und keine anderen. Dann sind zwei Sätze statt ein sowie-Satz eine denkbare Alternative:

  • Alternative 3: Auf unserem Dorfmarkt bieten wir frische Karotten und Kartoffeln an. Sie finden bei uns aber auch leckere Äpfel und Birnen.

Welche Variante die beste ist, müssen Sie von Fall zu Fall und aus dem Textzusammenhang entscheiden. Ich möchte Sie mit diesem Beispiel lediglich dazu ermuntern, sich bei einer sowie-Formulierung zu überlegen, ob es keine stilistisch schönere Alternative dazu gibt.

Noch mehr zur Zeichensetzung

Haben Sie weitere Fragen zur Zeichensetzung (insb. Kommas)? Das Handbuch Zeichensetzung (hier kaufen)* aus dem Dudenverlag kann ich wärmstens empfehlen.   


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