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vogtext sw 3Aus dem Alltag eines Lektors

Im VogtBlog berichte ich in loser Folge über Themen, die mich bei der täglichen Arbeit beschäftigen. Sämtliche Informationen sind zur freien Verfügung.
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Vielen Dank und viel Spass bei der Lektüre!

 

Über die «Olympiade» und andere «olympische» Wörter

Aus Anlass der Olympischen Spiele widme ich diesen Blogbeitrag der Schreibweise und Verwendung von «olympischen» Wörtern und Wortkombinationen.

Olympia, Olympiade und Olympische Spieleolympia

Auf dem Olymp wohnten bekanntlich die Olympier, also die griechischen Götter. Dem obersten Gott, Zeus, bauten die Griechen einen grossen Tempel in Olympia. Olympia war der Austragungsort der Olympischen Spiele der Antike. Die Athleten und Zuschauer opferten Rinder als Höhepunkt der Olympischen Spiele im Zeustempel in Olympia. Heute wird der Begriff «Olympia» jedoch weniger mit dem antiken Durchführungsort der Olympischen Spiele verbunden, sondern bezeichnet die «Olympischen Spiele» selbst.

Auch die «Olympiade» wird heute synonym mit dem Begriff «Olympische Spiele» verwendet. Ursprünglich meinten die Griechen der Antike mit «Olympiade» aber nicht die Zeit während der Olympischen Spiele, sondern den Zeitraum von vier Jahren zwischen den Olympischen Spielen.

In der Schweiz ist «Olympia» gemäss Google Trends der mit Abstand am häufigsten gesuchte Begriff. Entsprechend war ich etwas erstaunt, dass der Duden «Olympia» für die Bezeichnung der Olympischen Spiele als «gehoben» klassifiziert. «Olympiade» und «Olympische Spiele» halten sich in der Google-Suche etwa die Waage:


 

Bindestrichschreibung: Olympia-Medaille oder Olympiamedaille?

Bei zusammengesetzten Substantiven stellt sich immer wieder die Frage, ob nur die Zusammenschreibung richtig ist oder auch eine Bindestrichvariante. Der Duden erlaubt Schreibweisen mit Bindestrich, wenn dadurch die Lesbarkeit des Wortes verbessert wird. Bei Zusammensetzungen mit «Olympia-» bin ich der Meinung, dass beispielsweise Olympia-Sieger nicht besser lesbar ist als Olympiasieger. Entsprechend erachte ich die Bindestrichschreibung als falsch und empfehle die Zusammenschreibung. Der Duden äussert sich nicht explizit dazu, es sind aber keine Bindestrichvarianten im Duden oder im «Deutschen Wörterbuch» von Brockhaus/Wahrig zu finden, sondern nur Zusammenschreibungen, zum Beispiel:

  • Olympiadorf
  • Olympiasieg
  • Olympiateilnehmer
  • Olympiastadion
  • Olympiaqualifikation
  • Olympiamedaille
  • olympiareif
  • etc.

Gross- oder Kleinschreibung von «olympisch»

Das Adjektiv «olympisch» wird nach meinem Empfinden (zu) häufig mit grossem Anfangsbuchstaben geschrieben. «Olympisch» schreibt man gemäss dem Wörterbuch der sprachlichen Zweifelsfälle (Duden Band 9) nämlich nur in zwei Fällen gross: erstens in der Bezeichnung der Olympiade als «Olympische Spiele» und zweitens in Eigennamen wie dem Nationalen Olympischen Komitee (in der Schweiz heisst das Swiss Olympic) oder beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) (zur Schreibweise von Komitee siehe hier).

In allen anderen Fällen wird «olympisch» kleingeschrieben:

  • Das olympische Feuer wurde an der Eröffnungsfeier entfacht
  • Die Athleten wohnen alle im olympischen Dorf
  • Die fünf olympischen Ringe stehen für die fünf Kontinente
  • Simon Ammann konnte viermal olympisches Gold gewinnen
  • Der olympische Eid ist ein Versprechen, den Fairness-Gedanken zu beachten
  • Die russischen Athleten mussten unter der neutralen olympischen Flagge starten.
  • An den Olympischen Spielen zählt in erster Linie der olympische Gedanke

Unabhängig von der Schreibweise wünsche ich natürlich allen Schweizer Olympionikinnen und Olympioniken erfolgreiche Spiele und die eine oder andere Olympiamedaille. Hopp Schwiiz!

Der/die Cervelat/Servela(t) – wie man die Schweizer Nationalwurst schreibt

Herr und Frau Schweizer essen sie/ihn gerne und oft, unabhängig von der Schreibweise. Auch mir ist beim «Zvieri» wurst, ob ich eine(n) Servela(t) oder Cervelat verdrücke. Wenn ich anschliessend gestärkt einen Text über Würste lektoriere, spielen Geschlecht und Schreibweise der Schweizer Nationalwurst aber eine Rolle.

Als ich mich für diesen Blogbeitrag entschied, hätte ich nicht gedacht, dass Würste orthografisch kompliziert sind, aber beginnen wir von vorne:

Cervelat

Die Zervelatwurst

Im Duden ist die Zervelatwurst oder Servelatwurst zu finden. Das ist eine Dauerwurst, also eine Rohwurst, die haltbar gemacht wurde, beispielsweise durch Lufttrocknung oder Räuchern. Der Duden empfiehlt die Schreibweise mit Z: Zervelatwurst. Daraus könnte man ableiten, dass unsere Nationalwurst Zervelat heisst, was jedem Schweizer in den Augen wehtut. Das Wort «Zervelat» (ohne «…wurst») findet man dann auch nicht im Duden.

Von der Servela über die Servelat zur Cervelat

Sucht man im Duden nach der Nebenform «Servelatwurst», stösst man auf das Hauptstichwort «Servela» (ohne t) und den Zusatzhinweis «schweizerisch neben Cervelat». Dies bedeutet, dass «Servela» eine korrekte Schreibweise neben der Hauptform «Cervelat» (mit t) ist, die im Duden ebenfalls aufgeführt wird.

Interessant ist aber, dass «Servela» (ohne t) im Duden Schweizerhochdeutsch nicht zu finden ist. Dort wird «Servelat» (mit t) aufgeführt und auf die Hauptform «Cervelat» verwiesen.

Der oder die Cervelat/Servela(t)

Beim Geschlecht der Schweizer Nationalwurst zeigt sich kein einheitliches Bild. Während der neueste Duden (27. Aufl.) beim «Cervelat» nur die männliche Variante aufführt, findet man im Duden Schweizerhochdeutsch auch «die Cervelat». Ebenso ist das Deutsche Wörterbuch von Brockhaus/Wahrig sich sicher, dass die männliche und die weibliche Form von Cervelat korrekt ist. Beim Servela(t) lassen alle konsultierten Wörterbücher die männliche und die weibliche Variante zu.

Schreibweise ist (fast) wurscht

Wie Sie die Schweizer Nationalwurst schreiben, spielt orthografisch fast keine Rolle. Ob Sie eine(n) Servela, lieber eine(n) Cervelat oder gar eine(n) Servelat geniessen, alle Schreibweisen sind je nach Nachschlagwerk korrekt. Ich vermute aus eigener Erfahrung und aufgrund des Eintrags im Duden Schweizerhochdeutsch, dass Cervelat die üblichste Form ist. Google Trends (siehe unten) bestätigt diese Vermutung:«Cervelat» wird am häufigsten geschrieben. Einzig «Cervela» (mit C und ohne t) findet man in keinem Wörterbuch. Welches Geschlecht man wählt, hängt wohl von der Mundart ab. Ich bevorzuge die Cervelat. «En Guete»!

  • der/die Cervelat (Mehrzahl: Cervelats)
  • der/die Servela (Mehrzahl: Servelas)
  • der/die Servelat (Mehrzahl: Servelats)
    • der/die Cervela
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